Habt ihr schon Mal von I am Alive gehört? Wahrscheinlich schon, aber ihr habt es einfach wieder vergessen. Denn der erste Trailer wurde bereits an der E3 2008 im Anschluss an die Ankündigung gezeigt, damals war das Spiel noch in Entwicklung bei Dreamworks. Nach einigen Schwierigkeiten und Verspätungen während der Entwicklung entschloss sich Dreamworks im Jahr 2010, dass sie nicht weiter am Spiel arbeiten werden und andere Ziele ins Auge fassen. Stattdessen übernahm Ubisoft Shanghai die Arbeit und setzte das Game fort.


Eine zerstörte Stadt

Die Idee hinter I am Alive ist, das sei an dieser Stelle gesagt, sehr gut. Den Spieler zu fesseln gelingt mit einer solchen Hintergrundgeschichte meist automatisch. Ein verzweifelter Mann, der nach einem schrecklichen Ereignis, dass die ganze Menschheit betrifft und in der modernen Zeit spielt seine Familie sucht und dabei Leib und Leben riskiert. Haben wir zwar schon Mal irgendwo gesehen, jedoch wird es doch, wenn wir ehrlich sind, nie alt solange es gutumgesetzt wird.

Leider ist das Game sehr linear aufgebaut, das lässt sich an den Hindernissen gut sehen. Man stelle sich eine Kreuzung vor. Wir müssen zu Punkt X gelangen. Links sehen wir einen Spalt im Boden:  Kein Durchkommen. Vorne steht ein Lastwagen im Weg: Kein Durchkommen. Also: Ab nach rechts. An der nächsten Kreuzung – Haventon ist ja eine Grossstadt und hat viele Strassen – dasselbe Bild. Allerdings gibt es anstelle des Lastwagens, der in der Quere steht vielleicht mal eine Seitengasse, die mit deinem Zaun abgesperrt ist. Der Weg zum Ziel findet sich jedenfalls immer und meistens ohne Mühe.


Es gibt Freunde…

Der Trailer liess es damals bereits erahnen: Ein Postapokalyptisches Szenario. Das ist meist eine gute Grundlage für eine packende Story. Adam Collins, der Hauptdarsteller war zum Zeitpunkt als „das Ereignis“ geschah nicht bei seiner Frau und Tochter weil dem ein Streit vorausgegangen war. Nach einer einjährigen Reise erreicht er endlich die fiktive Stadt Haventon und sucht dort, unter anderem in der eigenen Wohnung, nach seinen liebsten Julie und Mary. Was weiter passiert wollen wir hier nicht verraten, nur so viel: Die beiden sind nicht zu Hause. Auf der Suche nach ihnen trifft Adam aber immer wieder auf nach Hilfe suchenden. Diese brauchen meistens irgendwelche Güter, die man sowieso auf seinem Weg durch die Stadt aufsammelt. Die guten Seelen geben den Leuten dann den benötigten Gegenstand, obwohl die Mittel immer knapp sind. Im Gegenzug erhält der Spieler sogenannte Wiederholungen. Mithilfe dieser ist es möglich beim letzten Kontrollpunkt fortzufahren ohne gleich das ganze Kapitel wiederholen zu müssen, sollte die Lebensenergie auf 0 sinken.

Die einzige Schwierigkeit im Spiel ist die Gesundheit und Ausdauer aufrecht zu erhalten. Die Gesundheit schwindet ziemlich schnell mal wenn man in einen Kampf verwickelt ist – das ist aber auch gut so, denn ansonsten wäre das Spiel noch einfacher als es ohnehin schon ist. Durch Gegenstände wie Wasserflaschen, Äpfel, Gemüse etc. die auf dem Boden oder leicht versteckt gefunden werden können kann sich Adam wieder regenerieren.
Komplexer wird die Sache jedoch mit der Ausdauer. Dort sinkt die Energie mit jeder anstrengenden Aktion die durchgeführt wird. Sei dies beim Sprinten oder beim Klettern, das braucht Kraft. Hängt Adam an einem Rohr und der Ausdauer-Balken sinkt gen 0, kann der Spieler eine Spezialaktion ausführen in dem er den rechten Schalter mehrmals schnell hintereinander zieht und so Adams letzte Kraft verwenden um ans Ziel zu kommen. Dies geht jedoch nicht unbeschränkt, sondern dauert ist nur etwa 5 Sekunden lang möglich. Hat man die Aktion durchgeführt regeneriert sich Adams Energie zwar wieder, jedoch ist der Balken geschrumpft. Um diesen wieder aufzuladen muss der Spieler nach Inhalatoren oder anderen Gütern die auch auf dem Boden gefunden werden können, suchen.


… und Feinde

Aber natürlich gibt es auf Adams Reise auch Hindernisse. So stösst der Spieler immer wieder auf kleinere Gruppen von „bösen“ Leuten - Ach was heisst böse, die wollen doch auch nur überleben – die Adam um sein Hab und Gut erleichtern möchten. Mit der Zeit kommt man aber an Waffen und muss taktisch entscheiden ob man jetzt seine einzige Kugel für den Typen mit der Schusswaffe verwenden muss oder man doch lieber mit der Machete in den Nahkampf gegen die beiden anderen mit den Messern geht und der andere sich dann ergibt.


Staubige Angelegenheit

Was sofort auffällt ist die staubige Optik. Die Entwickler setzen vielerorts auf Graustufen, um dem Spieler die staubige Atmosphäre in der Stadt zu verdeutlichen. Dies mag dem ein oder anderen nicht gefallen, passt aber perfekt zur ohnehin schon packenden Geschichte. Dazu noch ein Rauschfilter in den extrem staubigen Gegenden und die Inszenierung ist perfekt. Das ist ja auch schön und gut, aber leider hätten sich die Entwickler bei den Texturen ein wenig mehr Mühe geben können. Autos ähneln sich extrem und scheinen extrem unscharf.

Immerhin sind die Stimmen gut gelungen. Auch wenn die deutsche Sprachausgabe fehlt und man sich mit Untertiteln zurechtfinden muss, wirken die Personen im Spiel recht authentisch. Die Hintergrundmusik lenkt im Grunde nicht vom Gefühl der Einsamkeit ab, aber unterstreicht diese in einigen Momenten sehr gut. Und die Musik kann auch ganz anders: Hebt man seine Waffe, wird man bedroht oder sinkt die Ausdauer, wird die Musik merklich lauter und schneller, um auf diese Art und Weise Unruhe im Spieler zu erzeugen.


Fazit

Ja, ein wenig enttäuscht sind wir ja schon. Aus I am Alive hätte viel mehr gemacht werden können, das Potential wäre da, das ist unbestritten. Für mehr als einen Arcade Titel mit 5-6 Stunden Spielzeit hat es aber nicht gereicht. Auch grafisch ist es nicht grad der Brüller und vom Gameplay wollen wir gar nicht erst anfangen. Wir wollen I am Alive keinesfalls schlecht machen, tolle Atmosphäre kommt schliesslich auch, aber es ist halt im Endeffekt wirklich „nur“ ein Arcade-Titel mit guter Story den man sich, wenn jemand mal 1200 MS-Points vorrätig hat und nicht weiss was er damit anfangen soll, kaufen kann.

 

Grafik

64/10

    Sound

    82/10

      Steuerung

      73/10

        Gameplay

        73/10

          Spieldesign

          82/10

            GESAMT

            7.48

            Tops

            • - Packende Story
            • - Tolle Inszenierung

            Flops

            • - Unbefriedigendes Ende
            • - Grafisch veraltet

            I am Alive

            Action-Adventure

            Hersteller:
            Publisher:
            Releasedatum:
            30.03.2010